Der leise Supermarkt – Ruhe im Einkaufsrummel

Entspannung einmal anders gedacht

Wenn in Hamburg die Straßen in prächtigem Lichterglanz erstrahlen, Weihnachtsmusik erklingt und der Andrang in den Geschäften wächst, spüren viele die typische Mischung aus Vorfreude und Hektik. Für andere jedoch bedeutet das vor allem eines: Überforderung. Gerade im Advent wird der Einkauf im Supermarkt zur Belastungsprobe – grelles Licht, laute Musik, piepende Kassen und ständige Durchsagen erzeugen eine anstrengende Flut von Sinneseindrücken. Menschen mit besonderer Reizempfindlichkeit – etwa Autist:innen, ADHS-Betroffene, Hochsensible oder ältere Personen – erleben solche Umgebungen oft als kaum erträglich.

Das Konzept des „Leisen Supermarkts“ setzt genau hier an. Es wurde ursprünglich in Neuseeland entwickelt und hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland etabliert. Die Idee ist einfach und wirkungsvoll: Zu bestimmten Zeiten werden akustische und visuelle Reize reduziert – Musik und Durchsagen entfallen, das Licht wird gedimmt, Kassenpieptöne abgeschaltet, und es wird auf lautes Verräumen verzichtet. Dadurch entsteht eine angenehm ruhige Atmosphäre, die den Einkauf entspannter und zugänglicher macht.

In Hamburg haben sich bereits einige Märkte diesem Konzept angeschlossen, und der Eindruck ist durchweg positiv. Kund:innen berichten von einem deutlich angenehmeren Einkaufserlebnis, Mitarbeiter:innen von ruhigerer Stimmung und weniger Stresssituationen. Auch Fachleute für Inklusion und Barrierefreiheit betonen die Bedeutung solcher Maßnahmen: Reizarme Umgebungen senken Barrieren für viele Gruppen, nicht nur für Menschen mit Autismus oder ADHS. Schätzungen legen nahe, dass bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Hamburg von einem solchen Angebot direkt profitieren könnten – also mehrere zehntausend Menschen.

Besonders im Weihnachtsgeschäft wird der Wert dieses Ansatzes spürbar. Bunten Lichtern und Weihnachtsliedern steht ein Ort der Entlastung entgegen, an dem Achtsamkeit und Rücksichtnahme den Ton angeben. Der „Leise Supermarkt“ ist damit weit mehr als eine Serviceidee – er zeigt einen Bewusstseinswandel im Einzelhandel: Weg von der Dauerbeschallung, hin zu einem Umfeld, das allen gerecht wird.

Wünschenswert wäre, dass künftig weitere Märkte diese Idee aufgreifen. Denn Ruhe ist kein Luxus, sondern eine Form von Zugänglichkeit – und vielleicht das schönste Geschenk, das man im vorweihnachtlichen Trubel machen kann.