Der Koloss im Niendorfer Gehege

Vom Hotel Atlantic ins Niendorfer Gehege

Die etwas versteckt im Niendorfer Gehege liegende Felsenformation, in deren Mitte der Findling steht, ist keine natürlich entstandene Anordnung. Sie wurde von Johannes Theodor Merck, Direktor für den Bereich Beladung bei der Reederei HAPAG und seiner Frau Marianne, Tochter seines Nachbarn John v. Berenberg-Gossler, an dieser Stelle im Park seines Sommerhauses angelegt.

Sie wollten mit den Steinen einen romantischen Ort im Park erschaffen. Der große Findling wurde 1907 beim Ausschachten der Baugrube des Hotel Atlantic an der Außenalster geborgen. Es ist ein gleichkörniger roter Granit, der wahrscheinlich aus Südostschweden stammt. Die dortigen Granite sind 1,77 bis 1,85 Milliarden Jahre alt. Er kam während der Elster- oder Saale Kaltzeit (ca. 450.000 bis 320.000 Jahre vor heute) als Geschiebe, eingefroren im Gletschereis, zu uns.

Ein Fuhrwerk mit acht Pferden war notwendig um den mehrere Tonnen schweren Koloss von seinem Fundort am Alsterufer an seinen knapp 10 Km entfernten und 22 m höher gelegenen Platz in Niendorf zu bringen. Um den Findling wurden weitere Steine (ebenfalls aus Geschiebe) unterschiedlicher Größe platziert, sowie vier Zugangswege und ein Rundweg um die Anordnung herum angelegt.

Der Felsen war ein prima Kletterstein und beliebter Treffpunkt der Kinder der Familie Merck und ihren Freunden. Die Anordnung der Formation und der Wege ist bis heute, nach fast 120 Jahren, nur unwesentlich verändert.

Per QR-Code auf einer kleinen Hinweistafel, die vom Geschichtsverein Forum Kollau e.V. am Findling angebracht wurde, kann die Geschichte dieses romantischen Ortes nachgelesen werden.

Die Hansestadt Hamburg erwarb 1952 den Familienbesitz (48,6 ha) für DM 1,- pro m². Die Villa Merck wurde als Erbpachtobjekt verkauft und der Park zusammen mit den ebenfalls erworbenen Nachbaranwesen als Naherholungsgebiet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – das heutige Niendorfer Gehege.

Manfred Meyer
Forum Kollau